Wie stark beeinflusst Prism Ihr Kommunikationsverhalten?

Als die ersten Details dieses Abhörskandals durch die Nachrichtenkanäle flatterte, war sicher nicht nur ich in einem ersten Reflex kurz davor, jegliche Kommunikation über soziale Plattformen abzubrechen. Und natürlich war Prism das Gesprächsthema im privaten und im geschäftlichen Bereich. Die Timelines waren voll von den Meldungen und die Politik machte auf mich nur einen gespielt empörten Eindruck. Eher peinlich berührt, dass das jetzt ans Tageslicht gespült wurde, was eigentlich jeder weiß: Feind und Regierung hört mit. Dass das Abhören ohne Kenntnisnahme der IT-Riesen, Regierungen und Softwarehersteller erfolgt sein soll, kann man mir nicht weis machen. Ein Spähprogramm der Geheimdienste wird sich sicherlich nicht von einem Virenschutzprogramm für 39,90 Euro aufhalten lassen.

Und wer in seinem Smartphone Apps installiert, sollte sich selbstverständlich darüber im Klaren darüber sein, dass alles, was von irgendeinem vermarktbaren Interesse sein könnte, auch abgefragt wird. Sicherlich sind auch Sie irritiert, wenn Sie am Arbeitsplatzrechner von Produktwerbung verfolgt werden, die den Produkten gleicht, die Sie auf einer ganz anderen Seite mal recherchiert haben. Wirklich verblüfft hat mich dann aber doch die Tatsache, das mein Smartphone geortet werden kann, obwohl ich die GPS-Funktion deaktiviert habe, bzw. wenn es ganz ausgeschaltet ist. Das lässt mich wirklich ernsthaft darüber nachdenken, ob ich zukünftig nicht wieder mit meinem alten Nokia-Telefon telefoniere.

Bedeutet Prism jetzt aber wirklich das „Aus“ der persönlichen Freiheit? Ich denke, man muss sich durchaus bewußt sein, dass das, was man schreibt, in irgendwelche Kanäle rutschen kann, wo es nicht hingehört. Das würde mich jetzt gar nicht so nachdenklich stimmen. Aber das von mir ein Profil anhand der abgescannten Informationen erstellt wird, die sich natürlich mit den Standortdaten meines Smartphones abgleichen lassen, das lässt schon ein Ohnmachtsgefühl aufkommen. Jetzt deshalb auf E-Mail, Twitter, Facbook und Co. verzichten? Ich denke nein, denn dann hätten die gewonnen, die den freien Austausch über die sozialen Plattformen kritisch beäugen und einschränken möchten. Wenn man sich mal verinnerlicht, welche Macht die User all dieser Plattformen haben, weil sie weltweit vernetzt sind und in Kürze Menschen mobilisieren können, was vor zehn oder zwanzig Jahren rein logistisch niemals in der gleichen Zeit möglich gewesen wären, der sollte nicht wegen einem Spähprogramm darauf verzichten, Informationen im Internet auszutauschen. Mir gefällt da eher ein trotziges Jetzt-erst-recht.

Passend zum Thema habe ich im Auftrag der G+F Verlagsgesellschaft ein Dokument layotet, das zu einer Serie von Artikeln gehört, die ständig erweitert wird. Der Titel lautet: „Das Vertrauen in die IT-Wirtschaft ist beschädigt“. Das ist es definitiv. Denn nur mit Hilfe von Microsoft & Co. war es möglich, diese Spähtore einzubauen. Cloud-Anbieter werden es in Zukunft noch schwerer haben, ihren Kunden Vertrauen abzuringen. Der Nutzer ist auf alle Fälle sensibilisiert und wird sein Verhalten (hoffentlich) darauf abstimmen und von der IT-Industrie entsprechende Sicherheitslösungen einfordern.

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