… wer kennt ihn nicht, den Werbeslogan von L’Oréal, der versucht, uns Konsumenten einzureden, dass jeder, der nur einen Funken Selbstachtung in sich trägt, dieses Produkt haben muss. Logisch, dass man dafür im Vergleich mit den Wettbewerbsprodukten schon etwas tiefer in die Tasche greift.

Den Satz „weil ich es mir wert bin“ las ich heute als Antwort in einem facbeook-Thread, wo es darum ging, welches PC-System mit welchem Support man einsetzt und wie zufrieden man damit sei. Die Zitatgeberin argumentierte damit, dass sie nur Apple-Produkte einsetze, „weil sie es sich wert sei“. Social-Media-Erfahrene wissen natürlich, dass solche Diskussionen häufig entgleisen, da es unvermeidlich ist, dass unterschiedliche Welten, in diesem Falle, die Apple-, die Windows-, bzw. die Android-Welt aufeinanderprallen. In der grafischen Industrie ist die Position eindeutig: Wer sich als Professional positionieren will, arbeitet mit Apple. Das wird auch nicht infrage gestellt oder kann diskutiert werden, das ist einfach so.

Nun gilt also nicht nur das ungeschriebene Gesetz, dass man diese Produkte zu verwenden hat und den happigen Aufpreis gerne bezahlt – die Apple-Nutzer treten oft und gerne als Markenbotschafter auf, so wie es die Kommentatorin im besagten facebook-Thread ja auch getan hat. Das ist natürlich Best-Case für den Anbieter, aber was sind die Gründe dafür?

  • Sie drücken sich über das Produkt aus: Ich setze es ein, also bin ich ein Teil der Community.
  • Sie identifizieren sich mit dem Produkt: Die Philosophie, die hinter dem Produkt steht, gefällt mir..
  • Sie wollen sich von der Masse abheben: Nur wenige können oder wollen sich so etwas leisten.
  • Sie sind von dem Produkt überzeugt: Für mich ist das Produkt die perfekte Lösung.

Geht es hier lediglich um Apple vs. Windows?

Ein PC oder ein Smartphone sollte zunächst einmal ein Werkzeug sein, das zu funktionieren hat und den Arbeitsalltag erleichtert. Da hat Apple natürlich einen Riesenpluspunkt, weil die Oberfläche so eingerichtet ist, dass man sich um Technik oder Bedienung kaum Gedanken machen muss. Stecker rein und läuft. Wer keine Lust hat, sich mit Technik auseinanderzusetzen, ist hier also bestens aufgehoben. Sobald individuell skaliert werden muss, wird es teuer. Da nicht jede Standard-Hard- oder Software installiert werden kann, überlässt man diese Modifikationen besser dem Händler seines Vertrauens. „Weil ich es mir wert bin“ bedeutet in diesem Fall also übersetzt, „da will ich mich nicht mit beschäftigen“. Es steckt also eine ganz andere Philosophie hinter dem Produkt, wie hinter einem klassischen PC. Das, was ich an Anschaffungs- und Peripheriekosten spare, stecke ich vielleicht später in eine Fehlersuche, weil das Produkt meiner Wahl doch nicht so kompatibel war, wie ich dachte. Der Anwender hat also die Wahl zwischen größtmöglicher Bequemlichkeit, die ihren Preis hat oder größtmöglicher Flexibilität und Freiheit, die unter Umständen bedeutet, dass er sich mehr mit der Technik auseinandersetzen muss, als er wollte. Apple hat es zudem geschafft, ein Lifestylemarke zu sein. Hat man einfach.

Und an manchen Tagen, wenn meine Technik sich gegen mich verschworen habe, dann denke ich auch, jetzt steige ich um. Ich hab die Nase voll. Das legt sich dann aber bald wieder, wenn die Probleme gelöst sind und mein System funktioniert. In erster Linie zählt für mich nunmal die Kompatibilität mit meiner Arbeitsumgebung.

Da ich mich vorrangig in der anderen, der Windows-Welt bewege, muss ich mit ihr reibungsfrei kommunizieren und Daten austauschen können. Da hilft es nichts, wenn „meins“ aber viel schöner wäre und ich damit vielleicht manchmal sogar besser zurecht käme. Ich muss mein Arbeitsumfeld so gestalten, dass ich problemlos an die IT und Datenformate meiner Kunden und Dienstleister andocken kann, ohne mir zum Beispiel extra ein Windows-System auf meinen Apple-Rechner zu installieren müssen. Ich kann auch nicht erwarten, dass andere meine Bequemlichkeit und mein Luxusgefühl mit Mehrarbeit ausbaden dürfen.

Ich bin zuversichtlich, dass die Grenzen zwischen dem einen und dem anderen System zunehmend verwischen, vor allem, weil immer mehr Applikationen in die Cloud verlagert werden und es egal ist, ob die Webschnittstelle unter Windows, Apple oder Linux läuft. Es ist schon unheimlich erleichternd, dass Cloud-Lösungen wie die Adobe Creative Collection oder das CRM-System für mehrere Plattformen angeboten werden und entsprechend heruntergeladen oder bedient werden können. Damit rückt das Betriebssystem des Arbeitsplatzes immer mehr in den Hintergrund und Medienbrüche werden seltener.

Und wer weiß, vielleicht zieht dann doch irgendwann ein Apple MacBook bei mir ein – einfach, weil es so verdammt gut aussieht.