Im Laufe meiner Berufspraxis habe ich nun doch schon mit einigen Druckereien zusammengearbeitet. Aufgrund der Aufträge waren dies meist größere Druckereien, da viel im Rollenoffset gedruckt wurde. Geschäftsunterlagen wurden vor Ort von kleineren Druckereien abgewickelt, der Preis wurde selten hinterfragt, irgendwie waren die Preise ja auch meist ähnlich gestaltet. Man war es gewöhnt, mehrere Tage auf ein Angebot zu warten, die Qualität war in Ordnung.

Mitte der 90er-Jahre begann ich damit, eine Online-Druckerei auszuprobieren, nachdem ich dank Online-Werbung die doch teilweise sehr niedrigen Preise zur Kenntnis genommen habe, mit denen diese in den Markt traten. Das Ergebnis war überraschend gut  – trotz Sammeldruckform und standardisiertem Ablauf. Das Erfreuliche war außerdem, dass ich sofort wusste, was mich das Druckprodukt kostet und wann es geliefert wurde. 

Wenn ich das gleiche Produkt bei der Hausdruckerei anfragte, dann bekam ich entweder die Auskunft, dass sich solche Aufträge für sie nicht lohnten (aha, wir warten auf den Großauftrag), oder einen Preis, der jeder Diskussionsgrundlage entbehrte. Aber wann ist der Einsatz der Online-Druckerei empfehlenswert?

Beispiel 1: Visitenkarten, Auflage 250 Stück

Bei der normalen Druckerei um die Ecke im konventionellen Offsetdruck zu teuer, die Alternative wäre der Digitaldruck. Bei einer Online-Druckerei werden Visitenkarten im konventionellen Druck zu einem Preis um die 30 Euro abgewickelt. Einziges Manko, die Papierauswahl ist nicht so groß wie in der Druckerei um die Ecke. Der alternative Digitaldruck konnte mich bislang noch bei keinem Druckauftrag überzeugen. Den würde ich nur im absoluten Notfall verwenden. Die letzten damit abgewickelten Visitenkarten habe ich aus Qualitätsgründen in der grünen Tonne entsorgt.

Beispiel 2: Briefpapier, Auflage 5000 Stück

Klassischer Auftrag für eine kleine Hausdruckerei um die Ecke. Hier kommt es drauf an, ob ich ein individuelles Briefpapier einsetzen möchte, dann geht das auch nur in der Hausdruckerei. Online-Druckereien verwenden die klassischen Offsetpapiere, manchmal noch ein hochwertigeres Papier mit Wasserzeichen oder ein Recycling-Papier. Preislich liegt hier natürlich auch der Vorteil bei der Online-Druckerei, hier entscheidet für mich ganz klar die Papierwahl. Qualitativ habe ich mit der „Um-die-Ecke-Druckerei“ schon ganz böse Erfahrungen gemacht. Das Blau eines Firmenlogos wurde lila gedruckt. Leider habe ich das Papier erst viel später zu Gesicht bekommen, mit Reklamation war da nicht mehr viel zu machen. Den gewünschten Großauftrag hat die Druckerei jedoch nie erhalten.

Beispiel 3: Flyer im Wickelfalz

Hier war die regionale Druckerei preislich zwar über der Online-Druckerei, hat aber trotzdem den Zuschlag bekommen, weil die Differenz vertretbar war und die Unternehmen der Region natürlich unterstützt werden sollten. Der Auftrag wird hier schnell und gut abgewickelt.

Beispiel 4: Broschüre mit Kaschierung oder Spotlackierung

Solch einen Auftrag würde ich nur in einer Druckerei mit persönlichem Ansprechpartner abwickeln. Zum einen, weil hier Individualität und Beratung gefragt sind, das kann mir kein Online-Portal bieten und zum anderen, weil solche Aufträge bei Online-Portalen kaum oder teuer produziert werden.

Die Stärke von Online-Druckportalen liegt meiner Meinung nach bei Druckaufträgen, die standardisierte Abläufe benötigen, die Standard-Papiere und Standard-Formate beinhalten und die Produkte anbieten, die meine Um-die-Ecke-Druckerei nicht im Portfolio hat.

Und so arbeite ich sowohl mit Online-Druckereien wie auch mit regionalen Druckerei zusammen. Die Abwicklung mit den Online-Druckereien wie www.flyeralarm.de, www.diedruckerei.de oder www.laser-line.de fand ich für mich als Fachfrau problemlos, der Versand der Druckprodukte ist bei den ersten beiden Druckereien sogar im Druckpreis enthalten. Online-Druckereien bieten mittlerweile klimaneutrale Produktion und FSC- bzw. PEFC-zertifizierte Papiere an, was nicht jede Vor-Ort-Druckerei von sich behaupten kann (Originalzitat: “Wir haben es nicht so mit Öko. Wenn ich schon Bio-Bananen sehe …“).  Der Laie wird mit Online-Druckereien so seine Probleme haben, mit Beschnitt, Farbprofil und PDF/X-Standards wird er nicht viel anfangen können. Er sollte seine Druckaufträge weiterhin dem Fachmann anvertrauen, der die notwendigen Einstellungen für ihn vornimmt.