Ich denke mal, jedes Unternehmen hat einen Platz, an dem sich ausrangierte Hard- und Software sammeln. Was hier erst ein kleines Regal war, ist bis zu den Sommerferien ein ganzer Raum geworden. Alte Rechner, Drucker, Tonerkassetten, Faxgeräte, Tastaturen, unzählige Mäuse, CDs, Disketten, Monitore, ein Kopierer, zahlreiche Hubs, Kabel, Router – insgesamt ein tolles Sortiment an IT-Zeitgeschichte und eigentlich eine unglaubliche Quelle von Investitionen. Für das Finanzamt ist das Meiste natürlich abgeschrieben. Trotzdem hat mir jedes einzelne Gerät mit Einzug ins Büro eine Arbeitserleichterung verschafft und seinen Dienst getan.

Aus diesem Sammelsurium möchte ich einen Farblaserdrucker beispielhaft erwähnen, er war höchstens vier Jahre alt. Also eigentlich kein Alter („was, den haben wir doch erst gekauft?“). Trotzdem stellte sich bei diesem Rechner angesichts der Fehlermeldung im Display ganz klar die Frage, ob sich Ausgaben für ein Ersatzteil für dieses Produkt noch lohnen. Die Drucke waren einwandfrei, der Stromverbrauch (noch) zeitgemäß, aber das Transportband war verschlissen, für die vier Farbwerke standen neue Fixiereinheiten auf der bald kommenden Wartungslisten. Die Investitionen hätten insgesamt weit über 1000 Euro betragen, wenn wir noch den Toner erneuert hätten. Für nicht mal den halben Betrag gibt es einen neuen Drucker mit neuem Transportband, neuen Fixiereinheiten und einer Tonerbestückung, die zwar nicht der Nachfüllmenge beim Tonernachkauf entspricht, aber immerhin für ein paar Wochen bzw. sogar Monate gereicht hätte. Und hier geht das Paradoxe los: Wir haben einen funktionsfähigen Drucker in den Schrott gegeben, weil es zu teuer ist, dieses Produkt zu warten. Der Drucker ist nur ein Beispiel. Mein PC wird nächstes Jahr ausgemustert, weil ihm die zahlreichen Softwareupdates so zugesetzt haben, dass er immer langsamer wird und das Betriebssystem durch ein Neues ersetzt werden müsste. Nun kommt aber im folgenden Jahr schon Windows 8 auf den Markt. Dafür ist dieser PC nicht mehr geeignet. Das Gerät ist noch keine zwei Jahre alt! Und mit jedem Einzug eines neuen Computers stellt sich wieder die Frage, was tun mit den alten Daten? Ablegen auf DVD, Festplatte oder NAS  und hoffen, dass die Sicherung hält oder wieder auf den neuen Rechner kopieren – man weiß ja nie. Also im Zweifelsfall kopieren, alte Festplatte ausbauen und Rechner entsorgen.

Fragen Sie mich mal, wie viele Festplatte hier im Regal liegen!

Letzten Monat haben wir ein neues Satellitensystem installieren lassen, das wir benötigen, um ins Internet zu kommen. Hier gibt es keinen Breitbandausbau, deshalb müssen wir selbst investieren. Das alte System ist noch keine zwei Jahre alt und der Vertrag läuft noch! Aber die Hardware ist nicht mehr kompatibel zur Nachfolgetechnologie – es gibt gar keine Tarife mehr für dieses System. Die Installation musste über einen Fachbetrieb vorgenommen werden und kostete über 1.000 Euro. Die Hardware kann ich dem Schrotthändler mitgeben und den Router auf den „Hardwarefriedhof“ bringen, weil sie nicht mehr einzusetzen ist.

Betrachtet man das mal genauer, ist das ganze System doch irgendwie pervers. Natürlich bin ich innovativ und setze zeitgemäße Produkte zum Arbeiten ein. Aber diese Investitionsrhythmen werden mir zu kurz. Es geht ja nicht nur um Geld, das fließt, sondern auch um den vielen Elektroschrott, der hier entsteht. Ich habe ja gar keine andere Wahl, wie mit neuester Software zu arbeiten, wenn meine Dienstleister und Kunden dies tun. Neue Software bedingt meist neue Hardware, die schreit nach neuestem Betriebssystemen und so dreht sich das Rad munter weiter. Ich werde in Zukunft noch genauer hinschauen, wie kompatibel mein Produkt sein wird. Werde mir Investitionen noch genauer überlegen, damit ich nicht nächstes Jahr wieder mit vollem Kofferraum zum Hardwarefriedhof fahren muss.

Die ausgemusterten Dinge sind übrigens alle direkt in einen Schiffscontainer verpackt worden. Der Drucker hat die Wurfattacke des Mitarbeiters sicherlich nicht überstanden und ist jetzt garantiert kaputt. Mir hat das Herz geblutet angesichts dieser Verschwendung. Wo diese Container der Sortierung übergeben werden, entzieht sich meiner Kenntnis. Die Sache mit dem Container gibt mir allerdings zu denken und ich möchte nicht, dass der irgendwo in Afrika landet und Kinder die PCs auseinanderschrauben.